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Lyrisches

Die Sucht nach dem Eifer

Es sind nur Worte, unbedarft und klein,
gesagt ganz ohne Pathos, nebenbei.
Fast unbetont, im Wesen allgemein,
als ob es gar nicht anzusprechen sei.

Es sind nur Worte – der hat dies gemacht
und jener das gesagt; und übrigens:
Da war noch dies; und das hab‘ ich gedacht.
Beziehung voller schöner Transparenz.

Es waren Worte, nur von ihr zu mir,
ein wenig Alltag, sonst war weiter nichts.
Und man entspannt sich, spinnt ein Bild von ihr,
freut sich jeder Feinheit des Gesichts.

Es sind nur Worte – nur dies eine noch:
Da hat mir wer geschrieben. Na, egal.
Und ja, das stimmt, es ist egal – und doch…
Wer schreibt ihr da? Das Licht wird langsam fahl,

die Wände rücken näher; und man denkt,
denkt nach, denkt stärker, denkt dann gar nicht mehr,
zermartert sich, man quält sich, reißt sich, lenkt
das Denken gegen Bäume, schwarzes Meer,

es sind ja nur so unbedarfte Worte,
Worte, nichts geschehen, nichts passiert.
Geschrieben, auch nur Worte! Welcher Sorte
diese freilich sind, hat infiziert!
 

Da brechen die Zweifel und schlagen mich nieder
und schlagen so Wellen, zerstören die Nacht
und schaffen das Dunkel, ein düsterer Flieder,
ein schwarzer Holunder, der Irrsinn gebracht,

die Worte sie fließen noch immerdar weiter,
sie fließen von ihr und dann an mir vorbei,
sie klingen so fälschlich, oh, klingen so heiter,
als ob nicht der Zweifel längst ursächlich sei

für engere Räume, für drückendes Schlucken,
für Tränen, die Augen zu fliehen versuchen,
für Brennen im Halse, für blindes Umgucken,
für tumbes Verharren, Gedankeneunuchen,

für Schmerzen im Magen, als sei er geschlagen,
als sei er getreten und ausgeleert worden,
für kleinliches Dasein an einsamen Tagen,
auch für Masochismus, gedankliches Morden.

Und alles nur wegen so harmlosen Worten,
nur wegen Erwähnung von Korrespondenz.
Nur wegen des Anderen sprachlichen Pforten,
nur wegen des Fehlens von Intelligenz.

Denn das ist das Schlimmste und einer der Gründe,
dass Eifersucht einen so herbe erwischt:
Die Dummheit erst macht sie zur tödlichen Sünde,
wenn Neid, Geiz und Hochmut mit Zorn sich vermischt.

Das Gift dieser Regung ist nur unerträglich,
weil Ohnmacht sich ätzend mit Blödheit vereint.
Denn gibt es wohl Gründe? Man scheitert schon kläglich,
wenn statt dies zu fragen man bitterlich weint.

Man sieht sich unfähig, hier zu reagieren,
vermag die Kontrolle, das Steuern nicht mehr.
Man weiß es doch besser, doch ist man gleich Tieren:
Man weiß eben nichts, schon das Fühlen fällt schwer.

Ein Teppich voll Lasten bedrückt dann die Seele,
und dämpft das Empfinden, erstickt es bald ganz.
Man weiß doch, wie arg man die Wahrheit verfehle,
ergibt man sich dieser Gefühlsdominanz.

Man sucht sich beruhigen und dann Argumente:
Sie liebt mich. Das glaube, das weiß ich sogar!
Die Zweifel sind schwächer, es gehen Momente
vorüber, es klärt sich doch ist noch nicht klar.

Vergleiche sind immer am besten geschaffen,
um Unglück zu bringen. Das weiß man als Kind.
Und doch wird man, wenn man schon ruhiger ist, raffen,
was wohl seine möglichen Vorzüge sind.

Irgendwas muss er doch besser vermögen!
Und was, wenn es das ist, was ihr imponiert?
Und wenn dann Respekt und Erfüllung verflögen?
Wenn Ehre erbietend sie dann zu ihm stiert?

Und erst nur für dieses besondere Können,
mit dem er die Aufmerksamkeit zu sich bannt,
und bald schon sein Wesen, sein Witz und sein Gönnen
ihr zu sehr gefallen? Sie bald übermannt?

Es ist nicht wahrscheinlich. Es ist fast nicht möglich,
doch sind dies Gedanken, mit denen sich quält,
der weiß: Sollte doch dies sein, trifft es mich tödlich.
Wer liebt, der fällt haltlos, dies hat man gewählt.

Sag: Bin ich belesen? Genügend belesen?
Und weiß ich von allem am besten zu sprechen?
Und bin ich denn einfühlsam, zärtlich gewesen?
Und kann ich geeignet auch Höflichkeit brechen?

Sag: Treff‘ ich die Mitte? Und ist es genügend?
Man weiß um den Irrsinn der Frage und doch.
Und doch stellt man ewig, sich selber betrügend,
vernunftstötend Fragen, die leer wie ein Loch,

die ungerecht klingen, die friedlos verhallen.
Entspringen sie wirklich dem Zweifel allein?
Doch wenn sie im Kopfe brutal und kalt schallen,
beweist dies, da müssen noch Ursachen sein.
 
Und manchmal nach Stunden, ja, manchmal nach Tagen,
da lichtet sich manches im schlaflosen Geist,
zermürbt sieht er endlich sich fähig zu sagen,
was Grundlosigkeit dieses Fühlens beweist.

Es ist ja kein Mangel an tiefstem Vertrauen,
kein Zweifel an Liebe. Nur ist man nicht dort.
Man hat nicht Kontrolle, man kann nicht kurz schauen,
sich nicht kurz verstecken im bergenden Hort.

Es ist ja kein Mangel an blindem Vertrauen,
es ist doch nur Zeichen von inniger Liebe.
Zu viel auf dem Spiel, als man nicht daran kauen,
es einen nicht sorgen müsst‘, einen nicht triebe.

Und müde, erledigt, erschöpft nur vom Fühlen,
von Stürmen verwittert, vor Müdigkeit zart,
Kann endlich man lächeln, nicht weiter zerwühlen,
was in sich man trägt, was nur Zuwendung harrt.
 

So wird die Überlegung wieder klarer,
so werden die Gedanken logiknah.
So wird dann einem selbst bald offenbarer,
was zwar gewusst, doch was man so nicht sah.

Dann sieht man: Letztlich bin ich nur alleine.
Und Sehnsucht ist der Grund für diesen Wahn.
Und Ohnmacht! Wenn ich tränenlos, schwach, weine,
ist Einsamkeit wie Nahrung meinem Tran.

Dann sieht man erst, wie stark man doch empfindet.
Dann weiß man erst, wie viel es einem wert.
Erst wer sich selbst mit solchen Qualen schindet,
kann sagen, dass ihm Liebe wiederfährt.
18.9.08 22:25


nächtlicher Irrsinn. ehrlicher Irrsinn.

Ein Schweigen. Und Stille. Die Sinne, ich fühle
die düstere Schönheit des Mondes in mir.
Ich arbeite malmend – gedankliche Mühle –,
zerwühlte Besinnung, ohnmächtiges Tier.
 

Ich liege in Demut, die Augen gen oben,
gen Schwärze und Nacht und gen Ehrfurcht gekehrt.
Ich liege im Rasen und taubstumm klingt droben
die Dunkelheit schön, oh, sie klingt so verkehrt.

 

Vernebelt ist alles, was sinnlich zu fassen
ich mich noch getraue, ist also fast nichts.
Gar nichts begreifend das Sinnen zu lassen,
vergessend das Wesen des täglichen Lichts.

 

Deliriumartig emporsteigt das Weinen,
die Brust, die erbebt, ist das ehrlichste Wort.
Wo Liebe und Hoffnung mit Trauer sich einen,
ist unserer Seele der peinlichste Ort.

 

Da wird noch so manches nach oben getrieben,
manch alte Verzweiflung nach oben geschwemmt.
Da traute man jahrelang sich nicht, zu lieben,
kasteite sich selbst, oh, was war man gehemmt.

 

Vor Angst vor den Menschen die Menschen verneinend,
ward Isolation noch der einzige Gang. –
Der Rasen ist feucht und der Himmel auch weinend,
die Augen sind offen: Lieg‘ ich hier schon lang?

 

Ich liege im Rasen und komme zur Ruhe,
das Drehen hält inne, der Irrsinn lässt nach.
Von Fledermausrufen geweckt, ohne Schuhe,
liegt nicht nur mein Wesen, lieg‘ ich auch selbst brach.

9.9.08 23:52


Müdigkeit, resigniert

In langen Fäden rinnt die Welt hinunter,
träge sammelt sich das klebrig Feucht,
Augen fallen – waren sie je munter?
Alles schließt zum Schlafen sich, mich deucht.
 

Müde trabt die Fleischesmasse weiter,
Schritte, voller schwermütiger Qual,
einzig dieses Fleckchen scheint noch heiter,
dieses Kanapee als letzte Wahl.

 

Ausgelaugt zerrt Wille an den Gliedern,
zerrt mich, und ich lehne an der Wand.
Müdigkeit mit intonierten Liedern,
Moll-Akkorde reichen mir die Hand.

 

So zergeht das letzte bisschen Sehen,
letzte Schritte sehnen sich zum Bett,
niemals wird die Müdigkeit vergehen,
niemals Leben, wenn ich eines hätt‘.

9.9.08 21:47


Das schöne Dilemma

Nach Worten ringend sitzt er dort am Pult.
Die Feder ist längst abgegriffen, rau.
Das Fenster vor ihm öffnet den Tumult
der Straße, doch gewahrt er's nicht genau.

Sein Blick geht star hindurch das blanke Blatt,
und durch das Holz, durch Wände, durch die Welt,
von der er schon so viel berichtet hat,
verfasst in Verse; Kunst, die ewig hält.

Nur heut' verrät das Fältchen auf der Stirn,
verrät ihn auch der ruhelose Mund,
dass auch das reimerprobte Dichterhirn
bald fehlt, ermangelt Worten, tut nichts kund.

Wir nähern uns des Meisters hartem Blick
und fragen uns, was er wohl dichten will.
Nach welcher Posse, welchem kühnen Trick
mag er wohl suchen, konzentriert und still?

Die Antwort gibt er kurz darauf schon preis:
Sein Blick schweift ab, wird weich, konkret und zart;
ein Bild von einem Mädchen. Er seufzt leis',
lehnt sich zurück, streicht lächelnd seinen Bart.
8.9.08 02:13


Gefallen

Ich komme mir belanglos vor,
dem Scheitern nah, versagend.
Mein Götzenbild ragt hoch empor,
mit meiner Stimme klagend.

Einst dachte ich, ich stände fest,
mein Leitbild sei gegeben.
Nun sehe ich, wie's mich verlässt -
was leitet mich im Leben?

Ich weiß nicht: Ist mein Handeln frei?,
noch kenn' ich mein Bedürfnis;
an Fäden häng' ich. Dieses sei
der Grund für mein Zerwürfnis.

Zerwürfnis mit dem Leben: Meine
Bürde, meine Schwäche.
Ich will euch alles geben,
womit ich euch an mir räche.

Nicht zu gefallen, fürchte ich,
hab' Angst vor tiefem Fallen.
Auf weiche Ballen wirfst Du mich,
an Dich will ich mich krallen.

 

 


 

7.9.08 20:38



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