alltagslyrik

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Das schöne Dilemma

Nach Worten ringend sitzt er dort am Pult.
Die Feder ist längst abgegriffen, rau.
Das Fenster vor ihm öffnet den Tumult
der Straße, doch gewahrt er's nicht genau.

Sein Blick geht star hindurch das blanke Blatt,
und durch das Holz, durch Wände, durch die Welt,
von der er schon so viel berichtet hat,
verfasst in Verse; Kunst, die ewig hält.

Nur heut' verrät das Fältchen auf der Stirn,
verrät ihn auch der ruhelose Mund,
dass auch das reimerprobte Dichterhirn
bald fehlt, ermangelt Worten, tut nichts kund.

Wir nähern uns des Meisters hartem Blick
und fragen uns, was er wohl dichten will.
Nach welcher Posse, welchem kühnen Trick
mag er wohl suchen, konzentriert und still?

Die Antwort gibt er kurz darauf schon preis:
Sein Blick schweift ab, wird weich, konkret und zart;
ein Bild von einem Mädchen. Er seufzt leis',
lehnt sich zurück, streicht lächelnd seinen Bart.
8.9.08 02:13
 


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