alltagslyrik

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Gefallen

Ich komme mir belanglos vor,
dem Scheitern nah, versagend.
Mein Götzenbild ragt hoch empor,
mit meiner Stimme klagend.

Einst dachte ich, ich stände fest,
mein Leitbild sei gegeben.
Nun sehe ich, wie's mich verlässt -
was leitet mich im Leben?

Ich weiß nicht: Ist mein Handeln frei?,
noch kenn' ich mein Bedürfnis;
an Fäden häng' ich. Dieses sei
der Grund für mein Zerwürfnis.

Zerwürfnis mit dem Leben: Meine
Bürde, meine Schwäche.
Ich will euch alles geben,
womit ich euch an mir räche.

Nicht zu gefallen, fürchte ich,
hab' Angst vor tiefem Fallen.
Auf weiche Ballen wirfst Du mich,
an Dich will ich mich krallen.

 

 


 

7.9.08 20:38


Das schöne Dilemma

Nach Worten ringend sitzt er dort am Pult.
Die Feder ist längst abgegriffen, rau.
Das Fenster vor ihm öffnet den Tumult
der Straße, doch gewahrt er's nicht genau.

Sein Blick geht star hindurch das blanke Blatt,
und durch das Holz, durch Wände, durch die Welt,
von der er schon so viel berichtet hat,
verfasst in Verse; Kunst, die ewig hält.

Nur heut' verrät das Fältchen auf der Stirn,
verrät ihn auch der ruhelose Mund,
dass auch das reimerprobte Dichterhirn
bald fehlt, ermangelt Worten, tut nichts kund.

Wir nähern uns des Meisters hartem Blick
und fragen uns, was er wohl dichten will.
Nach welcher Posse, welchem kühnen Trick
mag er wohl suchen, konzentriert und still?

Die Antwort gibt er kurz darauf schon preis:
Sein Blick schweift ab, wird weich, konkret und zart;
ein Bild von einem Mädchen. Er seufzt leis',
lehnt sich zurück, streicht lächelnd seinen Bart.
8.9.08 02:13


8.9.08 02:24


Only passing through

8.9.08 08:33


Paradoxer Glaube

Jesus spricht:
Ich spreche nicht.
 

9.9.08 02:46


Hesse

"Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte.
Warum war das so schwer?"
(Demian)
9.9.08 03:14


Musil

"Wir haben keine inneren Stimmen mehr, wir wissen heute zu viel, der Verstand tyrannisiert unser Leben."
(Der Mann ohne Eigenschaften)
 
Robert Musil
9.9.08 03:46


9.9.08 14:09


Müdigkeit, resigniert

In langen Fäden rinnt die Welt hinunter,
träge sammelt sich das klebrig Feucht,
Augen fallen – waren sie je munter?
Alles schließt zum Schlafen sich, mich deucht.
 

Müde trabt die Fleischesmasse weiter,
Schritte, voller schwermütiger Qual,
einzig dieses Fleckchen scheint noch heiter,
dieses Kanapee als letzte Wahl.

 

Ausgelaugt zerrt Wille an den Gliedern,
zerrt mich, und ich lehne an der Wand.
Müdigkeit mit intonierten Liedern,
Moll-Akkorde reichen mir die Hand.

 

So zergeht das letzte bisschen Sehen,
letzte Schritte sehnen sich zum Bett,
niemals wird die Müdigkeit vergehen,
niemals Leben, wenn ich eines hätt‘.

9.9.08 21:47


Rausch

9.9.08 23:29


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